Hilfreich für die Umsetzung waren typologische Grundmuster, die übernommen werden konnten, wie die Reihung der Einzelzellen am Gang, Promenade als Straße (Laubengang), ein Zwischengeschoß für die Gemeinschaftseinrichtungen, Sonnendecks (Dachgarten) mit Tennis, Schwimmbad und Unterhaltung.
Die gebauten Beispiele sind geprägt von einer Maschinenästhetik mit symbolhafter Architektursprache und konzipiert als Wohnmaschine. Geschwungene Formen, Stahlrohrgeländer zur Reling, überdimensionale Schornsteine am Dach und auch Bullaugen waren eher ornamentale Formalismen als baupraktische Notwendigkeiten. Es ging aber nicht um Imitation, sondern um formale Bezüge.
Hans Scharoun und Le Corbusier sahen das Schiffsthema auch im städtebaulichen Kontext. So wollte Scharoun die “schwimmenden Stadt” Wirklichkeit werden lassen, indem die Stadtmauern die Schiffswand darstellten[53]. Corbusier entwickelte eine städtebauliche Lösung mit Gemeinschaftsservices, Verkehrslösungen und er sah industrielle Fertigungsmethoden vor.
Corbusier schreibt in “La Ville radieuse” 1935, : …die Schiffe haben eine Breite zwischen 22 und 27m. Die Häuser der “strahlenden Stadt” ebenfalls. Über die gesamte Stadt, über einem Meer von Bäumen (…)[54].”
Wie die Prophezeiung von Marx besagt, wiederholen sich alle weltpolitischen Ereignisse und Personen, einmal als Tragödie, beim zweiten Mal als Farce. In den sechziger Jahren wurde das Dampfermotiv wieder überprüft und man wollte den sozialen Anspruch, die Utopie des neuen Bauens, weiterverfolgen. Zudem wollte man wieder zu einer Bedeutungssprache zurückzufinden, was jedoch nicht gelang. In den 80ern [051] wurde nochmals der Versuch gestartet die Metapher zu bemühen, allerdings ist die Exklusivität des damaligen Verkehrsmittels nicht mehr gegeben. Heute ist das Passagierschiff eine Randerscheinung der Touristikindustrie. Deswegen haben die geplanten Beispiele mit leeren Formhülsen, keinerlei tiefgreifenden Einfluß auf den Architekturdiskurs.
Literaturverzeichnis
52,55 Kähler, Gert, Eine „Architektur der Hoffnung“ ist untergegangen, in: Arcus 5. Architektur und Wissenschaft „Schiffe“, Köln 1989, S. 13
53 zitiert nach: P. Pfankuch (Hrsg.) Hans Scharoun, Bauten, Entwürfe, Texte. Berlin 1974, S.82
54 Le Corbusier: La ville radieuse. Paris 1964, Übersetzung d. Verf.
56 http://e-pub.uni-weimar.de/volltexte/2004/87/pdf/Teil%20I+II%20(S.%201-157).pdf
Abbildung
Kähler, Gert, Eine „Architektur der Hoffnung“ ist untergegangen, in: Arcus 5. Architektur und Wissenschaft „Schiffe“, Köln 1989, S. 12
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