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Formale Auswirkungen Teil3

 
Die Architektur musste die utopischen Ziele einer neuen gesellschaftlichen Ordnung bildhaft vermitteln und das Dampfermotiv war eine Manifestation der Überlegenheit der Maschine.[52] Es hatte das Charisma modern und progressiv zu sein. Zudem war es das Motiv der Bewegung, Symbol für den prozessualen Charakter.

Hilfreich für die Umsetzung waren typologische Grundmuster, die übernommen werden konnten, wie die Reihung der Einzelzellen am Gang, Promenade als Straße (Laubengang), ein Zwischengeschoß für die Gemeinschaftseinrichtungen, Sonnendecks (Dachgarten) mit Tennis, Schwimmbad und Unterhaltung.

Die gebauten Beispiele sind geprägt von einer Maschinenästhetik mit symbolhafter Architektursprache und konzipiert als Wohnmaschine. Geschwungene Formen, Stahlrohrgeländer zur Reling, überdimensionale Schornsteine am Dach und auch Bullaugen waren eher ornamentale Formalismen als baupraktische Notwendigkeiten. Es ging aber nicht um Imitation, sondern um formale Bezüge.

Hans Scharoun und Le Corbusier sahen das Schiffsthema auch im städtebaulichen Kontext. So wollte Scharoun die “schwimmenden Stadt” Wirklichkeit werden lassen, indem die Stadtmauern die Schiffswand darstellten[53]. Corbusier entwickelte eine städtebauliche Lösung mit Gemeinschaftsservices, Verkehrslösungen und er sah industrielle Fertigungsmethoden vor.

Corbusier schreibt in “La Ville radieuse” 1935, : …die Schiffe haben eine Breite zwischen 22 und 27m. Die Häuser der “strahlenden Stadt” ebenfalls. Über die gesamte Stadt, über einem Meer von Bäumen (…)[54].”

Im Endeffekt scheiterte die Architektur daran die Utopie nicht verständlich gemacht zu haben, oder erfüllte nicht die Bedürfnisse der damaligen Gegenwart. Die Architekten glaubten bestimmen zu können, was richtig für die Menschen war. Negiert wurde auch im Zusammenhang mit der Schiffsmetapher, dass keine klassenlose Gesellschaft, sondern genaue Klassenhierarchie auf einem Ozeandampfer bestand und das Menschen für das Service verantwortlich waren und nicht Maschinen. Die Sozialutopie war gescheitert, wiewohl die Architektur eine neue Formensprache etablierte. Nicht mehr Portikus und Säule waren Grundlage der Architektursprache, sondern technische Rationaliät und objektive Funktionalität.

Wie die Prophezeiung von Marx besagt, wiederholen sich alle weltpolitischen Ereignisse und Personen, einmal als Tragödie, beim zweiten Mal als Farce. In den sechziger Jahren wurde das Dampfermotiv wieder überprüft und man wollte den sozialen Anspruch, die Utopie des neuen Bauens, weiterverfolgen. Zudem wollte man wieder zu einer Bedeutungssprache zurückzufinden, was jedoch nicht gelang. In den 80ern [051] wurde nochmals der Versuch gestartet die Metapher zu bemühen, allerdings ist die Exklusivität des damaligen Verkehrsmittels nicht mehr gegeben. Heute ist das Passagierschiff eine Randerscheinung der Touristikindustrie. Deswegen haben die geplanten Beispiele mit leeren Formhülsen, keinerlei tiefgreifenden Einfluß auf den Architekturdiskurs.

Literaturverzeichnis

52,55 Kähler, Gert, Eine „Architektur der Hoffnung“ ist untergegangen, in: Arcus 5. Architektur und Wissenschaft „Schiffe“, Köln 1989, S. 13

53 zitiert nach: P. Pfankuch (Hrsg.) Hans Scharoun, Bauten, Entwürfe, Texte. Berlin 1974, S.82

54 Le Corbusier: La ville radieuse. Paris 1964, Übersetzung d. Verf.

56 http://e-pub.uni-weimar.de/volltexte/2004/87/pdf/Teil%20I+II%20(S.%201-157).pdf

Abbildung

Kähler, Gert, Eine „Architektur der Hoffnung“ ist untergegangen, in: Arcus 5. Architektur und Wissenschaft „Schiffe“, Köln 1989, S. 12
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Oct 23 ,08
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Neue gesellschaftliche Ordnung Teil2

Kommunehaus Narkomfin Moskau 2006
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Charta von Athen

Unter dem Thema Die funktionale Stadt diskutierten dort Stadtplaner und Architekten über die Aufgaben der modernen Siedlungsentwicklung.

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In der Charta von Athen beschreibt Le Corbusier, dass ein Jahrtausende altes Gleichgewicht durch das Maschinenzeitalter zerstört wurde. Durch die maschinelle Geschwindigkeit müsse zur Wiederherstellung der Harmonie eine neue Ordnung geschaffen werden. Die Maschine war das Mittel, um die alte Klassengesellschaft aufzuheben und eine neue freie und gleiche Gesellschaft zu entwickeln.

Le Corbusier beschreibt in seinen Schiffshuldigungen von einer Freizeitgesellschaft (da, nur für die erste Klasse zutreffend) mit gut funktionierendem Servicebetrieb und unterteilt das Schiff in drei unabhängige Systeme: ein Gasthaussystem, “ein großartiges mechanisches Antriebssystem” und ein Navigationssystem.

Er spricht weiter davon “Sobald du es fertiggebracht hast, (…) die Organisation eines Schnelldampfers darzustellen, kannst du am nächsten Projekt des Völkerbundpalastes teilnehmen” [48]. Damals war es unsozial -mehr zu haben- und die Wohnung für das Existenzminimum wurde zum Programm. Gropius forderte eine Ration Wohnung, die jedermann mieten konnte wie eine Schiffskabine.[49] Le Corbusier war es auch, der die Schiffkabinen analysierte und empfand, dass diese alles Notwendige auf 15m² beinhalteten.

Es war nur nötig, Bereiche des Zusammenlebens in Gemeinschaftseinrichtungen auszulagern. So plante er “Die Zelle im menschlichen Massstab”, und dazu einen Koch pro 40 Personen und einen Kammerdiener pro 20 Personen usw. Im nachrevolutionären Russland war die neue Gesellschaft zumindest in der Politik schon verwirklicht, die neuen Wohnformen fehlten noch.

Bereits 1919 beschloss man, die Gleichberechtigung der Frau voranzutreiben und sie von der materiellen Last veralteter Hauswirtschaft zu befreien, indem in Kommunehäusern öffentliche Speisegaststätten, Wäschereien, Kinderkrippen uvm. vorhanden waren. 50 Damit wurden zwei Entwicklungen sichtbar. Die Gleichberechtigung der Frauen und, in weiterer Folge, die Auflösung des Familienverbandes. Die Gesellschaft übernahm die Verantwortung für die Verpflegung und die Kinder.

Es sind nur wenige Kommunehäuser gebaut worden. Eines mit Bezug zur Schiffsarchitektur ist das Narkomfin Appartmenthaus in Moskau 1928-29 . Die Ausprägungen der Schiffsarchitektur hatten in den Ländern unterschiedliche Auswirkungen, ihnen gemein ist ein minimierter Individualbereich (Kabinen), ein Servicebetrieb mit hohem Freizeitanteil und eine Sozialutopie, die mit Formzitaten verständlich gemacht werden wollte.

Literaturverzeichnis

48 Le Corbusier,Feststellungen zur Architektur und zum Städtebau, Berlin/Frankfurt/Wien 1929, S208

49 Gropius 1929; zitiert nach: F.u.L. Kramer: Sozialer Wohnungsbau der Stadt Frankfurt am Main. In: Kommunaler Wohnbau in Wien (Katalog). o.O.u.J., nicht pag.

50 zitiert nach;: G.A.Gradow: Stadt und Lebensweise, Berlin 1971, S.48

51 zitiert nach: P. Pfankuch (Hrsg.) Hans Scharoun, Bauten, Entwürfe, Texte. Berlin 1974, S.82

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Kähler, Gert, Eine „Architektur der Hoffnung“ ist untergegangen, in: Arcus 5. Architektur und Wissenschaft „Schiffe“, Köln 1989, S. 12
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Dampfermotiv in der Architektur Teil1

Der Dampfer, oder genauer das Passagierschiff, ist eine der zentralen Metaphern der avantgardistischen Architektur in den 20er Jahren gewesen. Aus dem Dampfermotiv entspringen die später propagierten Attribute „Reinheit, Technizität, Klarheit, Offenheit, Sachlichkeit, Modernität und Weltoffenheit”. [44] Neben der schiffsinternen Ordnung wollte man den Menschen die Metaphern begreifbar machen, indem formale Bezüge hergestellt wurden. Die Architekten erhofften sich damit ein gesellschaftliches Modell zu manifestieren.

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. nannte Violet-le-Duc, ein Vertreter der französischen Revolutionsarchitektur, den Dampfer als Beispiel zeitgemässer funktioneller Denkweise. 1923 verglich Le Corbusier, in seinem Werk »Vers une architecture« das Heck eines Ozeandampfers mit seiner Villa Savoye. [43] In seinem Werk illustriert Le Corbusier anhand von Fotografien die Vorzüge der Schiffsarchitektur.

Er hatte eine ausgeprägte Vorliebe für Automobile, war begeistert von den technischen Errungenschaften seiner Zeit. Er nennt sie “prächtige bewegliche Wohnblocks der modernen Zeit” [45]

Mies van der Rohe nannte das deutsche Passagierschiff Imperator 1923 “[…] eine schwimmende Massenwohnung
aus den Bedürfnissen und den Mitteln unserer Zeit.”[46] Hans Scharoun schrieb dazu: ”Man ersehnt, etwas von der Kühnheit moderner Schiffskonstruktionen auf die Gestaltung des neuen Hauses übertragen zu sehen.” [47]

In der damaligen Zeit übte das Passagierschiff eine ungemeine Faszination auf die Menschen aus. Die Passagierschiffbauer übertrafen sich gegenseitig, vergleichbar in heutiger Zeit mit dem Höhenrausch beim Bau von Wolkenkratzern. Der Ozeandampfer war der Inbegriff des Fortschrittsglaubens. Ausserdem verband man damit nationales Prestige und die “schwimmenden Paläste” vermittelten Glamour und Kosmopolitismus. Über 70 Jahre hinweg waren sie das wichtigste Verkehrsmittel zwischen den Kontinenten.

Literaturverzeichnis

44 Gert Kähler, Architektur als Symbolverfall. Das Dampfermotiv in der Baukunst, Braunschweig 1981 S.110

45 Le Corbusier,Feststellungen zur Architektur und zum Städtebau, Berlin/Frankfurt/Wien 1929, S.224

46 Mies v.d.Rohe: Gelöste Aufgaben (1923), zitiert nach: F.Niemeyer: Das kunstlose Wort. Berlin 1986, S.302

47 zitiert nach: P. Pfankuch (Hrsg.) Hans Scharoun, Bauten, Entwürfe, Texte. Berlin 1974, S.82

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