Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jhd. nannte Violet-le-Duc, ein Vertreter der französischen Revolutionsarchitektur, den Dampfer als Beispiel zeitgemässer funktioneller Denkweise. 1923 verglich Le Corbusier, in seinem Werk »Vers une architecture« das Heck eines Ozeandampfers mit seiner Villa Savoye. [43] In seinem Werk illustriert Le Corbusier anhand von Fotografien die Vorzüge der Schiffsarchitektur.
Er hatte eine ausgeprägte Vorliebe für Automobile, war begeistert von den technischen Errungenschaften seiner Zeit. Er nennt sie “prächtige bewegliche Wohnblocks der modernen Zeit” [45]
aus den Bedürfnissen und den Mitteln unserer Zeit.”[46] Hans Scharoun schrieb dazu: ”Man ersehnt, etwas von der Kühnheit moderner Schiffskonstruktionen auf die Gestaltung des neuen Hauses übertragen zu sehen.” [47]
In der damaligen Zeit übte das Passagierschiff eine ungemeine Faszination auf die Menschen aus. Die Passagierschiffbauer übertrafen sich gegenseitig, vergleichbar in heutiger Zeit mit dem Höhenrausch beim Bau von Wolkenkratzern. Der Ozeandampfer war der Inbegriff des Fortschrittsglaubens. Ausserdem verband man damit nationales Prestige und die “schwimmenden Paläste” vermittelten Glamour und Kosmopolitismus. Über 70 Jahre hinweg waren sie das wichtigste Verkehrsmittel zwischen den Kontinenten.
Literaturverzeichnis
44 Gert Kähler, Architektur als Symbolverfall. Das Dampfermotiv in der Baukunst, Braunschweig 1981 S.110
45 Le Corbusier,Feststellungen zur Architektur und zum Städtebau, Berlin/Frankfurt/Wien 1929, S.224
46 Mies v.d.Rohe: Gelöste Aufgaben (1923), zitiert nach: F.Niemeyer: Das kunstlose Wort. Berlin 1986, S.302
47 zitiert nach: P. Pfankuch (Hrsg.) Hans Scharoun, Bauten, Entwürfe, Texte. Berlin 1974, S.82
Abbildung
Kähler, Gert, Eine „Architektur der Hoffnung“ ist untergegangen, in: Arcus 5. Architektur und Wissenschaft „Schiffe“, Köln 1989, S. 12

