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Die Megastruktur in der Architektur

Thursday, October 23rd, 2008

Keyfacts

Im Zuge meines Diploms “on board! Eine Megastruktur über Wasser” habe ich u.a. mit den Themen Dampfermotiv und Megastruktur beschäftigt. Auszugsweise hier nachzulesen

Rue Interieur

Erschliessungsgänge zwischen den Wohnungen bei Le Corbusier. Lange innenliegende Gänge

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Der Begriff Megastruktur tauchte in den 60er Jahren auf. Ausgangspunkt war das Ende des Congrès International
d’Architecture Moderne (kurz CIAM), der von 1928-59 insgesamt 11 mal abgehalten wurde. Der Kongress wurde in unregelmässigen Abständen in verschiedenen Städten abgehalten und namhafte Architekten und Stadtplaner versammelten sich. Bekanntestes Ergebnis dieser Kongresse war die Charta von Athen (CIAM IV 1933), bei dem Le Corbusier federführend die Zukunft des Städtebaus entwickelte.

Diese Arbeit hatte nachhaltige Auswirkungen auf den Städtebau der nächsten Jahrzehnte und wurde in einigen Punkten als Dogma empfunden. Eine Generation jüngerer Architekten empfand in den 60er Jahren die in der Charta von Athen propagierte Funktionstrennung von Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Verkehr als die Wurzel allen städtebaulichen Übels.

Beim CIAM IX in Aix-en-Provence 1951 schliesslich, wurden die jungen Rebellen damit beauftragt den zehnten CIAM Kongress in Dubrovnik vorzubereiten. Daraus entstand das TeamX (oder Team Ten) mit Peter und Alison Smithson, Georges Candilis und Shadrach Woods, Jacob Bakema und Aldo van Eyck.

Der Funktionstrennung von Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Verkehr im Städtebau setzten sie die hierarchische Gliederung Haus, Straße, Stadtviertel und Stadt entgegen. Ausserdem verfassten sie 1954 das Doorn Manifesto mit den für sie wichtigen Änderungen für die Zukunft. Die Gruppe bestand bis 1981 und sie experimentierte mit neuartigen Raumsystemen von Gebäuden und Stadtvierteln, mit denen sie ihre urbanistischen Forderungen umsetzen konnten.

Einige der Teilnehmer des TeamX finden sich auch in den Geschichtsbüchern zu Brutalismus (Béton brut) und Strukturalismus wieder. Als Beispiel für die Ideen des TeamX gelten die “Rostlaube” der freien Universität Berlin von Candilis-Josic-Woods, die Stadterweiterung Toulouse-le-Mirail und der Wettbewerbsentwurf der Smithsons für das Golden Lane Housing Project für den sie nicht prämiert wurden.

Letzteres war ein Netzwerk aus 10-geschossigen Wohnbauten, die die bestehende, zerbombte Stadt Coventry topographisch überlagern sollte. Durch jedes dritte Geschoß gingen breite Wege, die “Street in the Air”, ähnlich wie bei Corbusier die »Rue Interieur«.[57]

In dieser Zeit gab es auch andere Gruppierungen, die in engem Kontakt mit TeamX standen, die aber eigenständig an ihrer Interpretation der neuen “Stadtentwürfe” arbeiteten. Die wichtigsten Vertreter waren Archigram mit Ron Herron, die Groupe d’étude d’architecture mobile (GEAM) um Yona Friedman, Constant mit seinem New Babylon Projekt und die Metapolisten in Japan um Kenzo Tange und Fumihiko Maki.

Diese Gruppierungen machten das Bevölkerungswachstum, Produktions- und Konsumwachstum, sowie den technischen Fortschritt zum Thema oder entwarfen Stadtvisionen, die durch Mobilität, Flexibilität und Partizipation der Bewohner charakterisiert waren. “Moderne Stadtnomaden” sollten die kontinuierliche Megastruktur individuell und temporär benutzen können. [61,62]

Was ist eine Megastruktur [Teil 2] »

Literaturverzeichnis

57 www.megastructure-reloaded.org/

59 http://deu.archinform.net/arch/18221.htm

60 Team 10 Primer, MIT Press second edition 1974 (first edition 1968) Holland, 1954

61 http://www.uibk.ac.at/exarch/studio3/html/lva20052006/docs/840310_architekturistutopie.pdf

Abbildung

Kähler, Gert, Eine „Architektur der Hoffnung“ ist untergegangen, in: Arcus 5. Architektur und Wissenschaft „Schiffe“, Köln 1989, S. 12

Was ist eine Megastruktur?

Thursday, October 23rd, 2008

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Im Zuge meines Diploms “on board! Eine Megastruktur über Wasser” habe ich u.a. mit den Themen Dampfermotiv und Megastruktur beschäftigt. Auszugsweise hier nachzulesen

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Megastruktur

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Wegen der unterschiedlichen Interpretationen der einzelnen Gruppierungen ist eine eindeutige Begriffsbestimmung für “Megastruktur” schwer möglich. Einige Architekturtheoretiker und Architekten haben ihre Definition schriftlich festgehalten:
Ralph Wilcoxon (College of Environmental Design, Berkeley) hat 1968 die Megastruktur als eine Stadt definiert, die: [63]

  • sich erweitern lässt
  • einen strukturellen Rahmen mit längerer Lebensdauer als
  • kleine plugged-in Einheiten hat die
  • vorgefertigt sein soll

Für Reyner Banham (Architekturkritiker) sind Megastrukturen immer große Gebäude, doch ist für ihn nicht jedes große Gebäude eine Megastruktur. Er sah die Möglichkeit die Visionen der Städtplaner und Architekten zu verbinden, um Stadtplanung in umfassenderen Dimensionen und einem grösseren Kontext zu bearbeiten. Ausserdem konnten die Megastrukturen durch die Verdichtung Lösungen für weitverstreute, unorganisierte und ineffiziente Städte anbieten. [64]

Banham sah in dem Projekt Algier von Le Corbusier ein elementares Beispiel für eine Megastruktur.[65]

Fumihiko Maki, einer der führenden Protagonisten der japanischen Metabolisten, sah in der Megastruktur einen riesigen Rahmen in dem alle Funktionen einer Stadt oder eines Stadtteils untergebracht sind. Ferner bezeichnete er die Megastruktur als vom Menschen geschaffene Abstraktion der Landschaft. Er unterteilte auch Großstrukturen nach ihrer Art der
Beziehungen innerhalb oder zueinander mit »Compositional Form« , »Megaform« und »Group Form«.

Compositonal Form sind einzelne größere Baukörper, die je nach Bezug zueinander angeordnet werden. Die Megaform ist ein fix
zusammenhängender Verband in dem alle nötigen Funktionen enthalten sind. Die Group Form sind viele eng miteinander verbundene kleinere Elemente, die auf den menschlichen Körper abgestimmt sind.[66]

Yona Friedman wollte die Infrastruktur zeitlos gestalten und sah sie erweiterbar. Die Einheiten temporär gedacht
und mit den Bedürfnissen der Zeit in die Struktur eingepasst. Antonio Sant’Elia, seineszeichens Futurist, sah es
ähnlich und behauptete, dass es Dinge gibt, die weniger lang ‘leben’ als wir, und ergänzt, dass jede Generation ihre
eigene Stadt bauen muss.[67],[68]

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Literaturverzeichnis

63 Ralph Wilcoxon, zitiert bei Reyner Banham, Megastructures: Urban Futures of the Recent Past (London, Thames and Hudson, 1976) S.8 (gekürzte Version)

64 eig. Übersetzung: http://www.wisegeek.com/in-architecture-what-is-a-megastructure.htm

65 eig. Übersetzung: http://parole.aporee.org/work/print.php?words_id=246

66 Fumihiko Maki, Investigations in Collective Form (St. Louis, Washington 1964) S.8, einsehbar:
http://library.wustl.edu/units/spec/archives/photos/maki/maki-entire.pdf

67 Yona Friedman, Toward a Scientific Architecture (Cambridge, Massachusetts, MIT Press, 1975)

68 Anonio Sant’Elia, ‘The Manifesto of Futurist Architecture’, published in Lacerba (Florence), 1. August 1914, in Umbro Apollonio, editor, Futurist Manifestos (Boston, Museum of Fine Arts Publications, 2001) S. 160 bis 172

Abbildung

Compostional Form, Megaform und Group Form (v.l.n.r.)